Zu den gekürzten Beiträgen:

Ihre Unterstützung ist uns wichtig und wir nehmen Ihre Erfahrungen sehr ernst. Am Ende der Aktion fassen wir deswegen auch die Aussagen der hier gekürzten Einträge zusammen und veröffentlichen die Ergebnisse dazu. Damit hier keine Stimme verloren geht. Ihre Nachrichten an uns bleiben Bestandteil unserer Aktion.

Vielen Dank für Ihren Mut!

Eine schöne Analyse von netz-reputation.de

netz-reputation.de erklärt am Beispiel der Kampagne #ichhabnichtangezeigt, wie eine Social Media Kampagne zu einem Tabuthema funktionieren kann:

„Social Media Kampagne als Instrument für NGOs – Mit Hashtag helfen

Twitter-Kampagne #ichhabnichtangezeigt

NGOs nutzen Social Media bereits seit Jahren aktiv für ihre Kommunikation. Kampagnen zu Themen wie Umwelt- und Artenschutz, Klimawandel oder Menschenrechte erreichen über Facebook&Co. ein Millionenpublikum. Jetzt hat eine Gruppe von ehrenamtlichen Aktivistinnen die Twitter-Kampagne #ichhabnichtangezeigt ins Leben gerufen, bei der es um das Tabuthema sexueller Missbrauch geht.“ [mehr]

Medien und Betroffenheit

Wir bekamen in den letzten Tagen desöfteren Anfragen von Medien (Online, Print und TV), die auf unsere Aktion aufmerksam wurden, darüber berichten wollen, und für ihre Berichterstattung eine oder mehrere Betroffene mit ihren Geschichten interviewen würden.

Wir können und wollen dieser Anfrage aus verschiedenen Gründen nicht nachkommen. Die allermeisten der #ichhabnichtangezeigt – Erfahrungen sind auch für uns komplett anonym, diese Aktion basiert für uns auf dem Vertrauen, das uns entgegengebracht wird, und wir werden niemals die Betroffenen, zu denen wir eine Kontaktmöglichkeit haben, aus diesem Grund anschreiben. Wir haben Anonymität versprochen, und was unsere Seite angeht, so halten wir uns daran.

Wenn es aber Betroffene gibt, die Interesse daran haben, sich an die Medien zu wenden, können sie uns schreiben, wir geben die Kontaktmöglichkeiten dann weiter.

Der doch nicht

Erschreckend oft haben wir bei unserer Aktion bisher gelesen, wie selten die von sexualisierter Gewalt Betroffenen davon ausgehen, dass man ihnen Glauben schenken würde. Zu oft. Würden Sie?

Das Bild vom Täter, das in unserer Gesellschaft vorherrscht, ist das Bild eines geistig gestörten Unbekannten.

Diese Täter gibt es, ja, doch in den meisten Fällen sind die Täter bekannt, kommen aus dem Umfeld des Opfers, und – und da fängt es für die Gesellschaft an kritisch zu werden – auch aus dem Umfeld derjenigen, denen es erzählt werden könnte. Uns.

Deswegen möchten wir weiter an diesem Bild vom bösen Unbekannten festhalten, denn es schützt. Es schützt uns in unserem Umfeld, es schützt unsere Vorstellung von einer halbwegs heilen Welt und nicht zuletzt die Täter. Es schützt nur eine Gruppe nicht – die Betroffenen.

Sie werden mit dem, was sie erlebt haben, alleine gelassen. Niemand möchte es hören. Niemand will glauben, dass der coole Typ aus der Clique, der immer so freundliche Nachbar, der beste Freund, der eigene Bruder, Vater, Onkel zu so etwas imstande wäre.

Der doch nicht, den kennt man doch, den mag man doch, der ist doch ganz normal.

Ja, das ist er, ganz normal: Im Verein, in der Clique, im Büro, auf dem Fußballfeld, am Tisch beim Abendbrot, da ist er ganz normal. Nur war er es eben nicht, als er vergewaltigt hat – die Tochter, die Schwester, die Nichte, die Mutter, die Freundin, die Bekannte, die Frau im Supermarkt, die Ärztin, Managerin, Arbeitslose, den Bruder, Sohn oder Cousin.

Diese Normalität macht es so schwer, den Betroffenen zu glauben, denn es raubt uns unsere Sicherheit, die Sicherheit, dass wir ganz bestimmt niemanden kennen, der zu so etwas fähig ist. Wir doch nicht.

Und damit machen wir sie mundtot – die Betroffenen, es wird ihnen nicht erlaubt, an unserem Bild von einem netten und anständigen Umfeld zu rütteln.

Doch der Preis dafür ist hoch! Sehr hoch sogar.

Für die Betroffenen, die wir mit unserer Ignoranz alleine lassen, so dass sie kaum einen anderen Weg finden, als sich in Scham zu flüchten.
Und für unsere Töchter, Söhne, FreundInnen, KollegInnen…

Unsere Ignoranz gestattet es den Tätern nämlich weiter Täter zu sein. Anstatt dafür zu sorgen, dass sie für dieses Verbrechen büßen müssen, werden die Opfer beschuldigt und ausgegrenzt.
Und warum?
Weil es einfacher ist. Für uns.

Doch wollen wir in einer solchen Gesellschaft leben? Wollen wir uns mitschuldig machen, indem wir die Betroffenen nicht sehen oder hören wollen? Wollen wir den Tätern und auch Täterinnen erlauben weiterzumachen? Wollen wir noch mehr Opfer?

Oder haben wir den Mut der Wahrheit ins Gesicht zu sehen?
Sexualisierte Gewalt ist überall zu finden. Sie ist normal, weil wir das zulassen.

– Daniela Oerter –

Aktuell zur Aktion #ichhabnichtangezeigt

Uns erreichen viele Rückmeldungen, wie furchtbar sich die vielen #nichhabnichtangezeigt-Erfahrungen auf unserer Webseite lesen.

Ja, es ist furchtbar, dass das passiert, ja – es ist furchtbar, dass es das überall gibt. In jedem Land, in jeder Stadt, in jedem Dorf.

Aber es ist nicht furchtbar, dass diese Frauen und Männer sich nun geäußert haben. Im Gegenteil, denn die Betroffenen gibt es ja bereits, nur waren sie zuvor unsichtbar, man konnte sie leugnen, negieren, sie als Einzelfälle abtun. Und vielleicht haben sie sich auch so gesehen – als Einzelfälle, allein.

Aber sie sind es nicht.

Wir haben ein gesellschaftliches Problem, und das hört nicht an irgendwelchen Grenzen auf. Ich bin davon überzeugt, dass es sich in keinem Land der Welt anders verhält, auch wenn ich darauf hoffe, dass mir irgendwer das Gegenteil beweist.

Wenn Frau Schröder meint, dass wir emanzipiert sind, dann wünsche ich mir, dass sie mal auf unsere Webseite schaut.

Da sieht sie ihre Emanzipation – Frauen, die glaub(t)en, dass sie kein Recht auf ihren Körper haben.

DAS erschüttert mich. Es macht mich unglaublich traurig. Und wütend. Und ich will, dass sich das ändert. Ich will – und nur um das klarzustellen, das ist mein ganz persönlicher Wunsch – dass jedes Mädchen und jeder Junge schon im Kindergarten lernt, dass niemand irgendwas mit ihren Körpern anstellen darf, was sie nicht mögen, weil es ganz alleine ihr Körper ist.

Und ich wünsche mir, dass es in der Schule – in jedem Jahrgang – immer wieder altersgemäß wiederholt wird, denn ich will in 20 Jahren nicht nochmal lesen, dass irgendeine Frau denkt, das muss so sein.

– Daniela Oerter –

Danke nach Italien!

„In Italien wächst die Sorge wegen zunehmender Gewalt gegen Frauen. Nachdem seit Jahresbeginn 54 Frauen von Ehemännern oder Lebensgefährten ermordet wurden, beginnt die Frauenbewegung „Wenn nicht jetzt, wann?“ mit einer landesweite Kampagne gegen das „Frauenmassaker“. Die Bewegung startete eine Unterschriftensammlung gegen die eskalierende Gewalt gegen Frauen. Der Appell wurde von namhaften Intellektuellen, PolitikerInnen und JournalistInnen unterzeichnet.“ [mehr]