Anfrage: Tangram International für ZDF – 37 Grad

Die Dokumentarfilmproduktion TANGRAM International möchte einen 30-minütigen Filmbeitrag  über Vergewaltigung bzw. sexuelle Gewalt für die ZDF- Dokureihe „37 Grad“ machen und sucht im Zuge dessen eine Frau, die sich vorstellen kann, offen oder anonym bei diesem Filmprojekt mitzumachen.

Unter nachfolgendem PDF finden Sie nähere Informationen und Kontaktmöglichkeiten, wenn Sie Interesse haben:

ZDF_37Grad

Herzliche Grüße

Daniela Oerter

Unwort des Jahres oder die Verantwortung der Medien!

Nun ist es entschieden. Das Unwort des Jahres 2012 wurde aus allen Einsendungen gewählt und lautet „Opfer-Abo“, teilte die Jury aus Sprachwissenschaftler_innen mit. Die Begründung findet man in der Presseerklärung: http://www.unwortdesjahres.net/fileadmin/unwort/download/pressemitteilung_unwort2012.pdf

Darin heißt es: „(…) Das Wort „Opfer-Abo“ stellt in diesem Zusammenhang Frauen pauschal und in inakzeptabler Weise unter den Verdacht, sexuelle Gewalt zu erfinden und somit selbst Täterinnen zu sein.“ Angesichts der Tatsache, dass die wenigsten Frauen, die sexualisierte Gewalt erlebt haben, überhaupt Anzeige erstatten, war dieses Wort ein Schlag ins Gesicht der Betroffenen.

Weiter heißt es, „Ausdrücke dieser Art drohen letztlich den zivilgesellschaftlichen und juristischen Umgang mit sexueller Gewalt in bedenklicher Weise zu beeinflussen“ und damit gängige Vorurteile zu unterstützen wie, die Frau trüge eine Mitschuld oder aber habe sich das Ganze nur ausgedacht.

Die Begründung ist einleuchtend und damit für die Betroffenen ein wirklich gutes Zeichen, dass solche Begrifflichkeiten und die damit verbundenen Vorurteile in unserer Gesellschaft nicht hingenommen werden dürfen.

Nach Bekanntgabe aber wurden auch Stimmen laut, die befürchten, dass die Wahl dieses Unworts genau das Gegenteil dessen erreicht, was beabsichtigt war – also der Urheber dieses Wortes nun zusätzliche Publicity erhalten würde, um seine kruden Thesen noch weiter verbereiten zu können.

Diese Gefahr ist gegeben. Möglicherweise wird er nun wieder zu Interviews in alle möglichen Sendungen eingeladen, darf wieder in allen Zeitungen seine Sicht der Dinge mehr oder minder unwidersprochen verbreiten. Damit würde den Betroffenen gleich wieder ins Gesicht geschlagen.

Bedeutet das also, dass „Opfer-Abo“ als Unwort besser nicht hätte gewählt werden dürfen? Wäre es besser igoniert worden?

Oder stellt sich da nicht doch die Frage nach der Verantwortung der Medien?

Denn wer hatte bitte nichts Eiligeres zu tun, als eben diesem Mann und seiner Frau eine Plattform zur Verbreitung seiner haarsträubenden Theorien, die mit der Wirklichkeit nichts gemein haben, zu geben? Und das – wofür? Für Einschaltquoten, Klicks und Verkaufszahlen.

Die Kapitalisierung der Medien geht mit einer Verantwortungsverweigerung einher. Sex & Crime als Thema verkauft sich gut, damit macht man Kasse. Diejenigen, die unter diesen Folgen zu leiden haben, werden ausgeblendet. Vergessen.

Wenn man sich die Zahlen anschaut, so wird jede siebte Frau in Deutschland Opfer strafrechtlich relevanter sexueller Gewalt. Die wenigsten zeigen an. Doch statt Aufklärung zu betreiben, bauen die Medien oft auf Sensation: Da wird lieber nach Indien geschaut, da wird der Urheber des Unwortes gehyped, aber vor der Wirklichkeit und dem Ausmaß sexualisierter Gewalt hier die Augen verschlossen.

Deswegen ist die Wahl gut, denn sie zeigt nicht nur dem Urheber die Rote Karte, sondern auch den Medien, die sich ihrer Verantwortung verweigerten.
Und das war und ist inakzeptabel.

– Daniela Oerter

Pressegespräch am 26.07.2012

Im Rahmen eines Pressegesprächs mit Vertreterinnen des Frauennotrufs München und Vertretern und Vertreterinnen des Polizeipräsidiums München haben wir heute die Kampagne der Polizei vorgestellt und die Ergebnisse der Auswertung übergeben.

Die Polizei zeigte sich unserem Resümee gegenüber aufgeschlossen und hat sich für diese Kampagne bedankt. Insbesondere unsere Forderung nach einer psychosozialen Begleitung der Betroffenen von der Anzeige bis zum Prozessende wurde von den anwesenden Vertretern und Vertreterinnen der Polizei begrüßt. Ihnen sei bekannt, dass die meisten Vergewaltigungen Beziehungstaten sind und der gefährlichste Ort für sexuelle Übergriffe nicht der gefürchtete Park oder die nächtliche U-Bahn ist, sondern die eigenen vier Wände. Dies untermauerten sie durch konkrete Zahlen aus ihrer eigenen Arbeit.

Sie würden sich wünschen, dass sich mehr Betroffene zu einer Anzeige durchringen könnten, gleichwohl sie wüssten, dass der Weg nicht leicht sei. Ihrer Erfahrung nach gebe es viele Fälle, in denen die Anzeige von den Betroffenen im Nachhinein als positiv gewertet würde. Im Zuge dessen wünschten sie sich eine ergebnisoffene Kampagne #ichhabangezeigt, und… Diesen Vorschlag fanden wir unterstützenswert und stellten die Frage nach einer Finanzierung.

Wir wünschen uns, dass die Polizei deutlicher als bisher öffentlich gegen Vergewaltigungsmythen Stellung bezieht. Und wir hoffen, dass die Kampagne und das Gespräch heute etwas bewirken konnten.

Unser Handout für die Presse zum heutigen Gespräch finden Sie hier.