Nein meint Nein – die Kampagne und unser Freund und Helfer…

Wirklich ärgerlich allerdings waren die Mythen, die von der Münchner Polizei beigetragen wurden. Sie wäre in die Kampagne gerne eingebunden gewesen, da sie (ohne die Zielrichtung ansatzweise zu verstehen), doch so gute Ratschläge an Frauen hat. Immerhin gab es keine Vorschläge zur Kleidung – nach Jahrzehnten feministischer Arbeit scheint klar zu sein, dass das nicht gut ankommt – dafür aber zum Alkohol.

Erst wurde der Süddeutschen Zeitung gegenüber sinngemäß erklärt, Frauen sollten nicht so viel trinken, dann passiere ihnen auch weniger – aber angeblich war das ja nur sehr verkürzt wiedergegeben.

Dann informierte uns der Pressesprecher der Münchner Polizei, und erklärte die bereits heftig kritisierte Aussage seines Kollegen:

„… es kommt in solchen Situationen dazu, dass allgemein sehr viel Alkohol getrunken wurde oder wird, die führt eben dazu, die Situation, dass Männer
eben eher zu Übergriffen neigen
in Form eines enthemmten Zustands, und dass Frauen natürlich, wenn sie entsprechend alkoholisiert sind, auch leichter
Opfer von solchen Straftaten werden können.“

(Zu hören in einem Beitrag zur Kampagne von Radio Z)

Danach folgen die üblichen Ratschläge: Frauen müssen selbstbewusst sein, und deutlich “Nein” sagen und nicht so viel trinken etc.
Der sinnvollere Ratschlag:

Vergewaltigt nicht, und wenn ihr euch nach Alkoholgenuss
nicht straffrei aufführen könnt, dann trinkt halt nicht.

fehlt natürlich.

Der klare Begriff der Vergewaltigung wird von der Polizei ausgespart, Begriffe wie “sexueller Übergriff” weitgehend vermieden.

Stattdessen – die Mythen:

  1. Männliche Sexualität ist eine mühsam gezähmte Urgewalt, die leicht “enthemmt” werden kann. (Falsch. Korrekt: Männliche Sexualität ist völlig normal und lustvoll einzusetzen; Vergewaltigungen sind Gewalt-
    verbrechen, hinter denen zielgerichtetes, absichtliches und geplantes Handeln steht.)
  2. Alkohol ist bei Männern strafmindernd zu werten. Die Verantwortung des Mannes sinkt in direkter Proportion zur Promillezahl im Blut.
  3. Alkohol ist bei Frauen negativ zu werten. Die Verantwortung der Frau steigt in direkter Proportion zur Promillezahl im Blut.
  4. … Frauen natürlich … Opfer … werden können. Natürlich. Naturally. Naturalmente. Naturellement.

Mit Sarkasmus: Danke an den Pressesprecher. Er macht mir meine Arbeit durch seine Offenheit und Eindeutigkeit leichter. Und in einem Aufsatz hätte er die Note 1 verdient: „Bringen Sie vier Mythen in fünf Zeilen unter!“ – das kann nicht jeder.
Ohne Sarkasmus: Die hier gezeigte Einstellung ist erschreckend. Die Polizei sollte dringend in die Schulungen und die Informationsangebote der Disco- und Barbesitzer und ihrer Mitarbeiter einbezogen werden!

– Inge Kleine

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